24. Januar 2012 /

Urban Quality Award: 1. Preis für den Platz der Ghettohelden in Krakau

Auf dem Platz der Ghettohelden in Krakau vermischen sich Alltagsleben und Erinnerungen. Anstatt ein Mahnmal zu bauen, machten die Architekten den gesamten Platz zum Ort des Gedenkens. Dafür erhielten Sie unlängst den Urban Quality Award 2011, ausgelobt von der Eurohypo AG in Zusammenarbeit mit der Fachzeitschrift Topos. Auch Stein spielt in diesem Entwurf eine besondere Rolle.

Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten zahlreiche Juden in Krakau, seit vielen Generationen in die Stadt integriert. Mit Beginn des Krieges wandelten die Nazis den Krakauer Stadtteil Podgórze in ein Ghetto um. Der damalige Zgody Platz wurde zum Ausgangspunkt für die Deportation Tausender Juden.

Als Grundlage für ihren Entwurf für den Platz der Ghettohelden nutzten die Krakauer Architekten Piotr Lewicki und Kazimierz ?atak Archivaufnahmen, historische Fotos und Memoiren von Überlebenden des Holocausts. Die Fotos zeigen Erwachsene und Kinder, die schwer beladen mit Kisten und Möbeln den Platz überqueren. Nach der Zerschlagung des Ghettos 1943 war der Platz mit diesen zurückgelassenen Objekten übersät. Die Architekten interpretierten die Geschichte des Krakauer Ghettos als eine Abfolge der Bewegung von Objekten.

Da die Erinnerung an die tragische Geschichte des Ortes auch heute noch schmerzvoll für die Bewohner ist, entschieden sich die Architekten, die Menschen im Alltag nicht zwingend mit dieser Erinnerung zu konfrontieren: Statt ein Mahnmal zu errichten, machten sie den Platz selbst zum Ort des Gedenkens. Auf seiner ganzen Fläche ordneten sie Objekte des täglichen Lebens an, die an die Menschen erinnern, die ihre Habseligkeiten auf dem Weg in die Konzentrationslager zurücklassen mussten. Entfremdet von ihrem ursprünglichen Gebrauch sind diese Objekte, allen voran übergroße Stühle, nicht zufällig verteilt, sondern im Raster und in strengen Gruppen angeordnet und erhalten dadurch eine symbolhafte Wirkung. Diese verstärkt sich noch durch die gewählten Materialien wie patinierte Bronze, rostendes Gusseisen und Pflastersteine aus grauem Syenit. Nicht nur Fußgänger laufen auf diesem unregelmäßigen Belag etwas langsamer, auch Autofahrer spüren die Veränderung durch die Resonanz des Fahrzeugs.

Die von den Architekten gekonnt umgesetzte Symbiose eines lebendigen öffentlichen Platzes mit einem Ort des Gedenkens spiegelt sich auch im Pavillon am nördlichen Ende des Platzes wider. Seine Inschrift erinnert an die Zeit des Ghettos, er beherbergt aber eine kleine Galerie und einen Blumenladen. Heute nutzen die Bewohner den Platz auf vielfältige Weise. Einmal im Jahr findet hier das Jüdische Kulturfestival mit verschiedenen Veranstaltungen und Konzerten statt.

 

Foto: Pawel Kubisztal

 
 
 
 
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