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Aus Grabsteinen werden Gartenmauern
Recycling einmal anders
Was man aus alten Grabsteinen machen kann: Gärtner Erich Hartmann verarbeitet sie zu Trockenmauern. Foto: Urs Baumann
Gärtner Erich Hartmann bricht ein Tabu: Er baut Mauern aus alten Grabsteinen. Er verarbeitet in seinen Trockenmauern edle Gesteine: hochwertigen Muschelkalk aus dem Tessin, süditalienischen Granit oder Marmor. Die teuren Steine kommen jedoch nicht aus aller Welt, sondern sind vielmehr ein Beispiel für kreatives Recycling. Denn auch die letzte Ruhe währt nicht ewig: so dürfen in der Schweiz Verstorbene 20 bis 30 Jahre auf Friedhöfen bleiben. Das weiß Erich Hartmann zu nutzen: Wenn die Grabsteine weichen müssen, »entsorgt« sie Hartmann zum Nulltarif – womit er den Gemeinden einen großen Dienst erweist.
Normalerweise werden die edlen Grabsteine zu Kies verschreddert, was die Friedhöfe, letztlich also die Gemeinden, bezahlen müssen. »Solch hochwertiges Gestein zu Kies zu verarbeiten, das schmerzt jeden Fachmann«, sagt Hartmann. Seine Trockenmauern erhalten durch die verschiedenfarbigen Gesteinsarten eine ästhetische Aufwertung, für die Gemeinden entfallen die Entsorgungskosten, und die Angehörigen können sichergehen, dass die Inschriften auf den Steinen nach der Verbauung nicht mehr zu lesen sind. »Es profitieren alle davon«, ist der findige Gartenbauer überzeugt.
Allerdings erfordert das etwas andere Geschäft mit dem Tod ein feines Gespür. »Wir bewegen uns da in einer Tabuzone der Gesellschaft«, meint Hartmann. In der ganzen Region klopft der gewitzte Gärtner bei Friedhöfen an, nicht immer mit dem gleichen Erfolg. So habe die Stadt Bern beispielsweise seinen Vorschlag abgelehnt, weil die Friedhöfe durch eine Art Pietätsgesetz verpflichtet seien, die ausgedienten Grabsteine zu schreddern. »Ich finde das schade, denn Kies kann man problemlos aus dem Boden gewinnen.« Die Steine aber hätten nicht selten einen Gegenwert von 5000 Franken.
Hartmann führt eine Gartenbaufirma und ist daher ständig auf der Suche nach neuen Quellen. Nachfrage ist für den etwas ungewöhnlichen Rohstoff also genügend vorhanden, mit dessen Beschaffung allerdings scheint noch nicht alles geregelt. So oder so spricht aber vieles für die etwas ungewöhnliche Recycling-Idee.
Quelle: Berner Zeitung